Leopolis

Humanitäre Hilfe für die Ukraine e.V. DE EN

Unser Besuch Oktober 2019

Am Sonntagnachmittag, den 20.Oktober trafen Anna und Mariusz Schwarz mit Tatjana und Peter Lehmann, aus Warschau kommend, in Lemberg/Lviv ein. Wir wurden vom Präsidenten der B’nai B’rith Loge Mischa Plieskov und seiner Stellvertreterin und Leiterin der Mittagstafel Luda Schwarz und Tanya Kotova abgeholt. Bei einem Abendessen wurde Neuigkeiten ausgetauscht und die nächsten Tage besprochen.

Am Montag besuchten wir fünf Klienten in ihren Wohnungen, die von Leopolis e.V.  mit Medikamenten unterstützt werden. Medikamente müssen selbst bezahlt werden und so ist bei den sehr kleinen Renten (im Durchschnitt 50€) jede Hilfe willkommen. Hesed schickt Krankenschwestern, die diesen alten Menschen medizinische Hilfe bringen und Einkaufscoupons. So ist inzwischen eine sehr gute und sinnvolle Zusammenarbeit der beiden Organisationen, B’nai B’rith und Hesed entstanden.

Eine alleinerziehende Mutter, die mit einem 14 jährigen mehrfach schwerstbehinderten Jungen und einem fünfjährigen Sohn in einer Einzimmerwohnung im 8. Stock, ohne Aufzug, wohnt und deren einzige Wasserstelle der Wasserhahn der Badewanne ist ,haben wir versprochen einen Wasserhahn in die Küche legen zu lassen, so dass sie dort eine Spüle haben kann und evtl. eine kleine Waschmaschine zu besorgen. Familie Hoffmann aus Frankfurt hat die Mutter bereits letztes Jahr mit dem Kauf eines Rollstuhls und eines größeren Bettes unterstützt. Diese Besuche sind emotional ergreifend, aber wir sind diese Wertschätzung unseren Klienten schuldig. Ihre Not kann man erst hinter den Wohnungstüren sehen.                                                                                                                    

Am späten Dienstagvormittag war ein erfreulicher Besuch in dem Kindergarten auf dem Programm. Wie immer wurden wir überschwänglich begrüßt, die Kinder führten, dem Jahreszyklus entsprechend, Lieder und kleine Aufführungen zum Neuen Jahr und zu Simcha Thora auf. Mittags besuchten wir die Teilnehmer des Mittagstischs in der Mensa der Polytechnischen Universität. Einmal mehr trafen wir auf sehr zufriedene Herrschaften, die an gedeckten Tischen saßen und ihr sehr appetitliches Essen serviert bekamen. Nach mehreren freundlichen Gesprächen konnten wir uns von der Qualität, für die Luda Schwarz seit Jahrzehnten bürgt, uns selber überzeugen. Dann fuhren wir weiter zum Museum nahe dem ehemaligen Ghetto „ Territory of Terror “, das die  Zeit der Jüdischen Bevölkerung unter faschistischer Besatzung dokumentiert. Mariusz Schwarz stellt dieser Ausstellung ein Foto seines Vaters Dr. Aleksander Schwarz zur Verfügung, dass bei unserem nächsten Besuch dort als Dokument für einen Zeitzeugen zu sehen sein wird. Das Engagement junger Lemberger ist ermutigend.

Am Mittwoch war Büroarbeit und Budgetdiskussion auf dem Plan, Familie Schwarz verabschiedete sich am Nachmittag nach Warschau.

Am Donnerstag fuhren wir in die Provinz bis nach Drohobycz. Für uns kaum zu fassen, war der Anblick der einst größten galizischen Synagoge. Dank der generösen finanziellen Unterstützung von Wiktor Wechselberg, der in Drohobycz geboren und aufgewachsen ist, sahen wir eine fantastisch restaurierte Synagoge. Leonid Goldberg führte uns durch die erhabenen Räume, denen die Menschen fehlen. Diese Menschen liegen ermordet in Massengräbern im Wald von Bronytsya, wo wir an vielen, im Waldboden eingelassenen Gedenkplatten ,an die Opfer des deutschen faschistischen Terrors gedachten. Wir besuchten auch zwei Klienten in ihren Wohnungen und auch hier arbeiten B’nai B’rith und Hesed Hand in Hand. Bei einem kurzen Stopp in Stryj, der Partnerstadt von Düren, erklärte uns Natascha, dass der dringlichste Wunsch, der dortigen jüdischen Gemeinde, eine Deckung des Dachs der Synagoge und eine Reparatur des Fußbodens ist. Bilder vom Zustand der Synagoge findet man auf folgender Seite: https://sztetl.org.pl/de/stadte/s/971-stryj . Wir versprechen, die Möglichkeiten, die wir haben zu nutzten, leider haben wir keinen Wiktor Wechselberg.

So kommen wir wieder nach Hause mit der festen Überzeugung, dass unsere Hilfe weiter benötigt wird und wir nicht aufgeben werden, Apelle zu verschicken und weiter nach Freunden zu suchen, die uns möglichst mit dauerhaften, regelmäßigen Spenden unterstützen.

Ein Hinweis auf das nächste Jahr: Zwischen dem 27.-31.Mai 2020 begeht die B’nai B’rith Loge „Emil Domberger“ ihr 120-jähriges Gründungsjubiläum und 25 -jährige Wiedergründung und lädt dazu herzlich nach Lemberg ein.